Familie

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Stellenwechsel

Diese Mediation begann als Coaching. Es ging zu Anfang darum, einen Stellenwechsel, der einfach nicht klappen wollte, zu unterstützen. Gegen Ende des Coaching offenbarte sich ein Beziehungsproblem. Beide Aufgaben konnten gelöst werden.

 Wie kam es dazu?

Einer meiner Nachbarn sprach mich auf dem Parkplatz an. Er hatte die Werbung auf meinem Fahrzeug gesehen wünschte sich eine Unterstützung bei seinem geplanten Stellenwechsel. Wir vereinbarten einen Termin in seiner Wohnung.

Das erste Treffen

Als ich eintraf, lernte ich seine Frau kennen. Sie begrüßte mich kurz, nahm die beiden kleinen Kinder und verließ die Wohnung. Wir begannen zu arbeiten. Klärung des Coaching Auftrages, Sichtung der bisherigen Aktivitäten, etc.

In der Zwischenzeit

Das Coaching war unspektakulär, wir kamen sehr gut voran. Auffällig war jedoch, dass ich den Eindruck hatte, dass die Frau des Klienten ausgesprochen scheu auf mich reagierte und zwar bei jedem der Treffen (Für das Coaching waren 7 Einheiten vereinbart, die Einheiten 2-4 lasse ich aus).

Das fünfte Treffen

Ich sprach meine Wahrnehmung an.
Zu meinem Erstaunen mochte mein Klient sich gerne darauf einlassen und ich erfuhr mit wenigen Fragen, dass die Beziehung wohl nicht gerade einfach ist, und dies anscheinend bereits seit längerem. Über das Coaching hinaus hatte ich jedoch keinen Auftrag, also fuhr ich mit dem Coaching fort.

Das sechste Treffen

Der nächste Besuch war anders. Die Kinder waren nicht in der Wohnung. Das Paar wartete gemeinsam auf mich, so, als sei es von Anfang an so gewesen. Ich war etwas erstaunt, sprach es jedoch nicht an, sondern nahm die „Selbstverständlichkeit“ auf und begann das Coaching. Inhaltlich beschäftigten wir uns mit der Frage, was es bedeuten würde, sollte die neue Stelle nicht „stabil“ sein (Insolvenz, Probezeit nicht überstanden, schlechtes Arbeitsklima, Unter-/ Überforderung, etc,)? Nun sprach die Frau erstmals: „Was glaubst Du, warum ich eine volle Stelle angenommen habe“?
Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Ich holte mir den Auftrag, in dem ich fragte: „Wollen wir darüber sprechen“? Von Beiden kam ein eindeutiges „Ja!“.
Jetzt kam die ganze Beziehungspalette zum Vorschein. Wertschätzung, Autonomie, Respekt, etc, und wir begannen einen Punkt nach dem anderen abzuarbeiten.
Mehrere Stunden später verließ ich das Paar. Erschöpft, aber doch entspannt gingen wir Alle auseinander.

Was machte der Mediator?

Beide Klienten erhielten Zeit, ihre ganz subjektive Sichtweise darzustellen, erst der Eine, dann der Andere, ohne Unterbrechung. Ich wiederholte, was ich verstanden hatte und ließ mich von der sprechenden Person korrigieren. Dinge, die wichtig waren, wurden von mir auf ein Flip Chart für Beide sichtbar, festgehalten. Beiden Klienten fehlte Nähe und Vertrautheit, Beide wünschten sich mehr gegenseitige Wertschätzung und Beide trieb die Sorge um die Familie um. Wir betrachteten das Papier und ich hatte den Eindruck, dass es wohl gut tat, dass das, was dort geschrieben stand, endlich mal “raus” war.

Der nächste Tag…

Ich kam am Abend nach Hause, da begegnete mir das Paar im Treppenhaus. Ohne Kinder, dafür hatte jeder ein Paar Turnschuhe in der Hand. Wir wohnten bis dahin bereits 2 Jahre in demselben Haus, „…das hast Du bisher noch nicht gesehen…“, dachte ich mir im Stillen. „Wir gehen laufen“ rief sie mir, gut gelaunt zu, und Beide verschwanden.

Juergen W. Wagner

Institut für Interessenausgleich, Kommunikationsförderung und Gesundheit